Vor ein paar Tagen war Sommeranfang, mächtig verregnet - wie es sich gehört. Warum sollte sich auch der Sommer, wie der Sommer benehmen, wenn der Frühling doch schon wie der Sommer war.
Die Stadt ist ein großer Moloch. An ihren Peripherien gleicht sie eher einer Kleinstadt. Nur die Größe der Ausfallstraßen vergegenwärtigt ihre eigentliche Dimension. Niemand sollte sich davon täuschen lassen, in ihrem Zentrum pulsiert das Leben – wenn auch auf gemächlicher Art. Die Stadt wehrt sich immer noch ihren Metropolen-Status anzuerkennen und ihre Bewohner sowieso.
Seit einigen Tagen ist also ganz offiziell Sommer. Ich bin nach getaner Arbeit wieder auf dem Weg zu ihr. Gerade wird die Stadt von einer massiven Regenfront eingenommen. Rechts die dunkeln Wolken, links Sonnenschein. Alles ist in klares, weiches Licht getaucht, so dass selbst die Trabantenstädte in der Ferne attraktiv wirken. Der Regen nimmt zu. Die Stadt saugt jeden Tropfen dankbar auf und gibt kleine Wasserdampfwolken ab.
In den nächsten Tagen wird ihre Hitze ganz langsam abkühlen. Der Staub ihrer Lunge verschwindet im Gullydeckel, schlängelt sich durch das unterirdische Abwassersystem, um dann als biologisch abbaubares Produkt aus den Klärwerken entlassen zu werden.
Das Wetter könnt der Stadt und ihren Bewohnern ein paar Tage der Ruhe.
So bald die Temperaturen wieder steigen, werden die Parks, die Straßen, die Plätze und die Strandbäder gefüllt sein. Die Bewohner werden über die Hitze der Stadt stöhnen, sich am Sonnabend in die langen Autokolonnen einreihen und nach Brandenburg oder an die See flüchten. An diesen Wochenenden gehört die Stadt ganz den Touristen und den Schlauen.
Und ich freu mich auf den guten alten
„Oststrand“ und ein Becks in der Hand.
BoeLa - 27. Jun, 14:22