Die Geschichte mit A
Sie begegneten sich bei einem Workshop zum ersten Mal richtig. Vorher gab es nur flüchtige Begegnungen während der Vorlesungen. Sie war klein, zierlich, mit lustigen Sommersprossen übersäht. Ihre grünen Augen passten gut zu ihrem rotblonden Haar. Sie war nicht wirklich attraktiv, fast etwas spröde. Trotzdem übte sie eine Anziehungskraft auf ihn aus.
Zu Beginn hatte er nicht ahnen können, wo das Ganze enden wird. Es gab nur kleine Gespräche über dies und das. Er war an ihren Berichten über ihren Amerikaaufenthalt interessiert. Sie schien zu wissen, wo sie hinwollte. Ständig drehten sich die Gespräche in der Mensa oder Cafeteria um Karriere oder die Noten. Sie blieb für ihn allerdings ein großes Rätsel, obwohl ihre Gespräche persönlicher wurden. Vielleicht lag es daran, dass er noch mit einer anderen Frau beschäftigt war.
Sie hielten lockeren aber konstanten Kontakt. Sie telefonierten und schrieben sich Mails. Irgendwann Anfang Mai kam er auf die Idee, sie zu einer Party mitzunehmen.
Als er sie abholte, traute er seinen Augen kaum. Statt der gewohnten Schlampersachen trug sie ein eng anliegendes Oberteil. Sie sah wirklich sexy aus, als sie ihm die Tür öffnete. Später standen sie auf der Party im Gang. Sie war dichter als sonst bei ihm. „Hast du Angst, ob du dich auf mich einlassen sollst?“ Nach dieser, seiner Frage, blicket sich nach unten und sagte „Vielleicht.“ Sie hatte es kaum ausgesprochen, da küsste er sie. Auf der Heimfahrt wirkte sie verstört, trotzdem durfte er bei ihr übernachten. In dieser Nacht passierte nichts.
Sie sahen sich jetzt öfters. Die Gespräche liefen immer mehr auf das Thema Sex zu. Es wurde auf-, um-, ab- und wieder aufgebaut. Aber sie blieb in einer gewissen Weise für ihn unnahbar, distanziert und kontrolliert. Fuck with friends, so nannte sie das. Er wollte eine Beziehung mit ihr. Er genoss ihre Nähe, wenn sie diese zuließ. Als sie ihm erzählte, dass sie komplett rasiert sein, konnte er nicht widerstehen. Es folgten Nächte mit intensivem Sex. Meist trafen sie sich bereits am Nachmittag nach der letzten Vorlesung. Am nächsten Morgen war sie spätestens um 08:00 Uhr verschwunden. Ohne ein Wort, nachdem Sie ausgiebig geduscht und sein Bad in ein Hamam verwandelt hatte.
Immer, wenn er das Thema Beziehung ansprach, wurde sie ausweichend. Dabei begannen sie doch, eine solche zu führen. Sie trafen sich regelmäßig, hingen im Tacheles, Bars, Kinos oder bei ihm ab. Gingen gemeinsam auf Konzerte. Das Tabu der persönlichen Themen wahrten beide. Er wusste was sie tat, nur nicht was sie vorhatte. Macht er dann doch einmal eine Bemerkung über ihre Dinge, wurde diese sofort von ihr mit vernichtenden Anmerkungen vom Tisch gewischt. Wollte er sie mehr an seinem Leben teilhaben lassen, dann wechselte sie schnell das Thema und konnte sich stundenlang über die richtige Essensweise eines Menüs von MC Doof auslassen. Sie spielten nicht nur körperliche sondern auch seelische SM-Spiele. Es ging um Macht! Er rief sie nicht an, wenn sie nach einem gemeinsam verbrachten Wochenende, wortlos verschwunden war. Obwohl er es wollte - nur aus Prinzip. Er sagte ihr nicht, dass er sich in sie verliebt hatte - nur aus Prinzip. Sie schmiss ihm an den Kopf, dass er ja eigentlich mit einer Anderen zusammen sein wollte. Darauf blieb er wortlos. Nur wenn er sich über ihren Musikgeschmack lustig machte, sie war der größte ABBA-Fan, welcher ihm jemals begegnet war, wurde sie zickig. Es waren Spiele ohne Bedeutung, eigentlich blieben beide Autisten, die ab und an Zeit mit einander verbrachten. Sie konnten sich keine echten Verletzungen zufügen, dachte er.
Am Ende des Semesters sagte sie zu ihm, dass sie für ein paar Wochen in eine andere Stadt gehen wird. Sie konnte dort ein Praktikum bei einer der großen Beratungsfirmen machen. Das brauchte sie ihrer Meinung nach für ihre spätere Karriere. Er verstand es nie, warum alle so geil darauf waren, bei diesen Firmen ein Praktikum zu machen, was dann doch nur aus Kaffee kochen und sonstigen Hilfsarbeiten bestand. Streit! Er wollte mit ihr den Sommer in der Stadt verbringen; sie wollte eine coole Vita für ihre Bewerbungen. Nach zwei Wochen beendete er alle Überredungsversuche. Sie sahen sich weiter, mieden aber das Thema Praktikum und Beziehung. Wenn er dann doch zaghaft das Thema gemeinsame Zukunft ansprach, ließ sie ihn eiskalt auflaufen.
Als sie weg war, folgten einige Telefonate und Mails. Und dann plötzlich, für ihn vollkommen unerwartet, schrieb sie, dass er sich nicht mehr bei ihr melden soll und stellte jede Kommunikation ein.
Der Sommer war gelaufen. Er war auf sich zurückgeworfen und hatte sich selten so einsam gefühlt. Da sie nicht mehr auf seine Mails, er hatte ihr noch zweimal geschrieben, reagierte, mussten seine besten Freundinnen für Erklärungsversuche herhalten. Er wollte wissen, wie er sich jetzt richtig verhalten sollte. Das es in solchen Situationen kein richtig oder falsch gibt, verstand er erst später. Für sie war von Anfang an klar gewesen, dass sie die Beziehung beenden würde, sobald sie in der anderen Stadt war.
Sechs Wochen später klingelte bei ihm das Telefon. Sie war dran. Die gemeinsame Projektarbeit musste noch beendet werden. Also trafen sie sich wieder, gingen wieder zusammen ins Tacheles, Bars, Kinos und ins Bett.
Eines Tages, sie hatten gerade einen Film gesehen und waren auf dem Weg zu ihr, erzählte sie ihm, dass sie glücklich verliebt sei. Für einen Moment blieb sein Herz stehen. Der letzte Funken Hoffnung trieb gerade die Spree hinab. Er blieb die Nacht für ein letztes Mal bei ihr.
Allmählich starb der Kontakt ab. Er lebte in seiner Welt, sie in ihrer. Er wollte nicht hören, wie glücklich sie und wie toll ihr Kerl war. Nach einem halben Jahr meldete sie sich bei ihm. Er rief nicht zurück. Zweimal sah er sie zufällig noch, aber er sprach sie nicht an und war sich auch nicht sicher, ob sie ihn überhaupt bemerkt hatte.
Manchmal denkt er noch an sie und fragt sich, was sie wohl jetzt macht und wie es ihr geht. Hoffnung auf den Zufall hat er nicht. Gerade ertappt er sich dabei, wie er nach ihr „googlet“. Wenigstens mal ein Hallo, wäre nicht schlecht! Die Trefferquote ist ernüchternd!
Zu Beginn hatte er nicht ahnen können, wo das Ganze enden wird. Es gab nur kleine Gespräche über dies und das. Er war an ihren Berichten über ihren Amerikaaufenthalt interessiert. Sie schien zu wissen, wo sie hinwollte. Ständig drehten sich die Gespräche in der Mensa oder Cafeteria um Karriere oder die Noten. Sie blieb für ihn allerdings ein großes Rätsel, obwohl ihre Gespräche persönlicher wurden. Vielleicht lag es daran, dass er noch mit einer anderen Frau beschäftigt war.
Sie hielten lockeren aber konstanten Kontakt. Sie telefonierten und schrieben sich Mails. Irgendwann Anfang Mai kam er auf die Idee, sie zu einer Party mitzunehmen.
Als er sie abholte, traute er seinen Augen kaum. Statt der gewohnten Schlampersachen trug sie ein eng anliegendes Oberteil. Sie sah wirklich sexy aus, als sie ihm die Tür öffnete. Später standen sie auf der Party im Gang. Sie war dichter als sonst bei ihm. „Hast du Angst, ob du dich auf mich einlassen sollst?“ Nach dieser, seiner Frage, blicket sich nach unten und sagte „Vielleicht.“ Sie hatte es kaum ausgesprochen, da küsste er sie. Auf der Heimfahrt wirkte sie verstört, trotzdem durfte er bei ihr übernachten. In dieser Nacht passierte nichts.
Sie sahen sich jetzt öfters. Die Gespräche liefen immer mehr auf das Thema Sex zu. Es wurde auf-, um-, ab- und wieder aufgebaut. Aber sie blieb in einer gewissen Weise für ihn unnahbar, distanziert und kontrolliert. Fuck with friends, so nannte sie das. Er wollte eine Beziehung mit ihr. Er genoss ihre Nähe, wenn sie diese zuließ. Als sie ihm erzählte, dass sie komplett rasiert sein, konnte er nicht widerstehen. Es folgten Nächte mit intensivem Sex. Meist trafen sie sich bereits am Nachmittag nach der letzten Vorlesung. Am nächsten Morgen war sie spätestens um 08:00 Uhr verschwunden. Ohne ein Wort, nachdem Sie ausgiebig geduscht und sein Bad in ein Hamam verwandelt hatte.
Immer, wenn er das Thema Beziehung ansprach, wurde sie ausweichend. Dabei begannen sie doch, eine solche zu führen. Sie trafen sich regelmäßig, hingen im Tacheles, Bars, Kinos oder bei ihm ab. Gingen gemeinsam auf Konzerte. Das Tabu der persönlichen Themen wahrten beide. Er wusste was sie tat, nur nicht was sie vorhatte. Macht er dann doch einmal eine Bemerkung über ihre Dinge, wurde diese sofort von ihr mit vernichtenden Anmerkungen vom Tisch gewischt. Wollte er sie mehr an seinem Leben teilhaben lassen, dann wechselte sie schnell das Thema und konnte sich stundenlang über die richtige Essensweise eines Menüs von MC Doof auslassen. Sie spielten nicht nur körperliche sondern auch seelische SM-Spiele. Es ging um Macht! Er rief sie nicht an, wenn sie nach einem gemeinsam verbrachten Wochenende, wortlos verschwunden war. Obwohl er es wollte - nur aus Prinzip. Er sagte ihr nicht, dass er sich in sie verliebt hatte - nur aus Prinzip. Sie schmiss ihm an den Kopf, dass er ja eigentlich mit einer Anderen zusammen sein wollte. Darauf blieb er wortlos. Nur wenn er sich über ihren Musikgeschmack lustig machte, sie war der größte ABBA-Fan, welcher ihm jemals begegnet war, wurde sie zickig. Es waren Spiele ohne Bedeutung, eigentlich blieben beide Autisten, die ab und an Zeit mit einander verbrachten. Sie konnten sich keine echten Verletzungen zufügen, dachte er.
Am Ende des Semesters sagte sie zu ihm, dass sie für ein paar Wochen in eine andere Stadt gehen wird. Sie konnte dort ein Praktikum bei einer der großen Beratungsfirmen machen. Das brauchte sie ihrer Meinung nach für ihre spätere Karriere. Er verstand es nie, warum alle so geil darauf waren, bei diesen Firmen ein Praktikum zu machen, was dann doch nur aus Kaffee kochen und sonstigen Hilfsarbeiten bestand. Streit! Er wollte mit ihr den Sommer in der Stadt verbringen; sie wollte eine coole Vita für ihre Bewerbungen. Nach zwei Wochen beendete er alle Überredungsversuche. Sie sahen sich weiter, mieden aber das Thema Praktikum und Beziehung. Wenn er dann doch zaghaft das Thema gemeinsame Zukunft ansprach, ließ sie ihn eiskalt auflaufen.
Als sie weg war, folgten einige Telefonate und Mails. Und dann plötzlich, für ihn vollkommen unerwartet, schrieb sie, dass er sich nicht mehr bei ihr melden soll und stellte jede Kommunikation ein.
Der Sommer war gelaufen. Er war auf sich zurückgeworfen und hatte sich selten so einsam gefühlt. Da sie nicht mehr auf seine Mails, er hatte ihr noch zweimal geschrieben, reagierte, mussten seine besten Freundinnen für Erklärungsversuche herhalten. Er wollte wissen, wie er sich jetzt richtig verhalten sollte. Das es in solchen Situationen kein richtig oder falsch gibt, verstand er erst später. Für sie war von Anfang an klar gewesen, dass sie die Beziehung beenden würde, sobald sie in der anderen Stadt war.
Sechs Wochen später klingelte bei ihm das Telefon. Sie war dran. Die gemeinsame Projektarbeit musste noch beendet werden. Also trafen sie sich wieder, gingen wieder zusammen ins Tacheles, Bars, Kinos und ins Bett.
Eines Tages, sie hatten gerade einen Film gesehen und waren auf dem Weg zu ihr, erzählte sie ihm, dass sie glücklich verliebt sei. Für einen Moment blieb sein Herz stehen. Der letzte Funken Hoffnung trieb gerade die Spree hinab. Er blieb die Nacht für ein letztes Mal bei ihr.
Allmählich starb der Kontakt ab. Er lebte in seiner Welt, sie in ihrer. Er wollte nicht hören, wie glücklich sie und wie toll ihr Kerl war. Nach einem halben Jahr meldete sie sich bei ihm. Er rief nicht zurück. Zweimal sah er sie zufällig noch, aber er sprach sie nicht an und war sich auch nicht sicher, ob sie ihn überhaupt bemerkt hatte.
Manchmal denkt er noch an sie und fragt sich, was sie wohl jetzt macht und wie es ihr geht. Hoffnung auf den Zufall hat er nicht. Gerade ertappt er sich dabei, wie er nach ihr „googlet“. Wenigstens mal ein Hallo, wäre nicht schlecht! Die Trefferquote ist ernüchternd!
BoeLa - 6. Sep, 19:34
Zu finden unter: Geschichten