Sonntag, 26. Oktober 2008

Tatort

In wenigen Minuten, gleich nach der Tagesschau ist es wieder soweit. Einer der besten Fernsehfilme in Serie wird ausgestrahlt. In Hamburg ist ein neuer Kollege im Einsatz. Der Deutschtürke Mehmet Kurtuluş ermittelt undercover! als Hauptkommissar Cenk Batu. Ich bin gespannt.

So, und jetzt sofort den Klingelton herunterladen und auf's Handy übertragen.
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Freitag, 24. Oktober 2008

Nach dem Sommer ist vor dem Sommer

Die CD „Free-Patri-Ation“ von Patrice hat mich durch den ganzen Sommer begleitet. Der Gang vor die Tür und der Blick auf den Kalender verrät, dass der Sommer nun endgültig vorbei ist. Der Herbst ist ja bekanntlich die perfekte Jahreszeit für tiefe, melancholische Musik. Nicht hier. Ich übe gerade die WetterUndStimmungsRealitätsverdrängungsstrategie mit Hilfe dieses Songs. Der nächste Sommer kommt bestimmt. Bis dahin werde ich noch etliche Male fluchen, über das nasskalte Regenwetter, über zu wenig Sonne, über zu kurze Tage, über aus der Nase laufende Flüssigkeit – und ab und an, dass das ich ökologisch vertretbare Fortbewegungsmittel nutze.



Patrice "Another One"
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Donnerstag, 23. Oktober 2008

Umfrage in der Sidebar

Sehr geehrte Zielgruppe,

bitte beachten Sie die Umfrage in der Sidebar - auf dem Bildschirm zu Ihrer rechten. Große Beteiligung Ihrerseits wäre uns ein Fest.

Die 2-köpfige Redaktion (Zaunpfahl, winke, winke)
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Test 1...2...3 Test Test

Hey, ditt is nich der Ortho-Anarcho, der hier schreibt, nee, ditt bin ick, sureshot. Dummerweise habe ich meinen eigenen Blog zerschossen und der BöLa war so "lieb", mich aufzunehmen... Stay tuned!

sure_shot
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Dienstag, 21. Oktober 2008

Wie ich einen dicken Hals bekam

Also manchmal geht wirklich alles schief. So wie voriges Wochenende. Eigentlich wollte ich am Sonntag in Dresden mit anderen „Bekloppten“ eine kleine 21-Kilometer-Runde drehen. So als Ausklang der, für mich verkorksten, Laufsaison. Für drei Läufe hatte ich mich in diesem Jahr angemeldet. Mein Körper meinte aber, dass es für mich sinnvoller wäre, nur eine, den Fünf-See-Lauf in Schwerin, zu laufen. Im Frühjahr plagte mich eine Erkältung und jetzt waren meine Füße immer noch vom Indienurlaub gekennzeichnet.

zerschundene-Fuesse

Damit konnte ich mich ja noch abfinden. An diesem Wochenende kam es aber noch schlimmer. Bereits im Laufe der Woche hatte ich ein leichtes Kratzen im Hals. Über welches ich mir aber nicht wirklich Gedanken machte, weil ich seit einer Woche aus dem sommerlich warmen Indien im herbstlich kalten Deutschland zurück war. Ein bisschen Schnupfen gehört wohl dazu, dachte ich.

Doch dann kam der Sonnabend. Am frühen Nachmittag machte sich ein ausgeprägtes Schlafbedürfnis breit. Schlucken war nur noch unter Schmerzen möglich. Also sagte ich schweren Herzen meine Verabredung für den Abend ab. Noch war ich der Meinung, etwas Bettruhe am Wochenende würde reichen und ich wäre dann am Montag wieder einsatzfähig. Aber dann bekam ich einen dicken Hals. Die Schmerzen wurden unerträglich. Beim Blick in den Spiegel, durchfuhr mich ein tiefer Schreck – mein Hals war auf dem Umfang meines Kopfes angeschwollen. Sprechen war auch nicht mehr möglich. Ich bekam zwar noch Luft aber sobald ich schluckte, schnitt ein Messer mir in die Kehle. Leichte Panikanfälle. Hatte ich mir aus Indien doch noch ein Mitbringsel mitgebracht, welches ich nicht haben wollte? Ich schwankte zwischen dem Besuch in der Rettungsstelle oder dem kassenärztlichen Notdienst. Entschied mich dann für den Notarzt. Tja, was sagte Frau Doktor? „Sie haben sich eine dicke Angina eingefangen. Und ihre Lymphknoten sind auch mächtig angeschwollen. Bitte vermeiden sie derzeit irgendwelche Kontakte, weil sie gerade hochgradig ansteckend, stellen sich morgen beim Hausarzt vor und ansonsten gehören sie vorläufig ins Bett!“ Sie ließ noch ein paar Schmerztabletten und Penicillin zurück.

Super, jetzt krächze ich mich durch den Alltag. Habe momentan nur telefonischen Kontakt mit der Außenwelt. Zum Glück meinte mein Hausarzt, dass ich ab morgen nicht mehr ansteckend bin und gegen eine Runde um den Block wäre nichts einzuwenden. Wird ja auch Zeit. Ich hasse es im Bett abzugammeln.
Zu finden unter: Alltag

Sonntag, 12. Oktober 2008

Indien - Part 4

07.10. bis 08.10. Jodphur

Für unsere Weiterreise nach Jodphur hatten wir zwei Tickets bei einem privaten Busunternehmen gekauft. Der Bus sollte 11:00 losfahren. Um 10:50 waren wir auf dem Platz, von dem die privaten Busse starten. Nach dem wir aus der Rikscha ausgestiegen waren, nahm uns gleich ein Mann, welcher kein Englisch sprach, unser Gepäck ab, und verstaute es im Gepäckteil des Busses. Er hielt den Zettel, der als Ticket für die Fahrt diente in der Hand und wollte uns was erklären. Wir dachten nur, dass er führ die Gepäckstücke extra Geld haben wollte. Herr L. war leicht aufgebracht. Ich auch. Also zahlten wir nichts und setzten uns auf unsere Plätze im Bus. Aber der Bus fuhr nicht, nicht um 11:15, auch nicht um 11:20, oder um 11:30. Er füllte sich langsam immer mehr. Wir nahmen alles noch hin, weil wir dachten, dass ist halt die indische Pünktlichkeit. Wir waren auch nicht verwundert, warum alle rote Tickets hatten und wir gelbe. Irgendwann machte ein Mann unsere Plätze streitig. Nach einem Blick auf unsere Zettel erklärte er uns, dass wir im falschen Bus sitzen. Der Adrenalinspiegel stieg wieder an. Herr L. begab sich zum so genannten Office auf dem Platz. Wie sich herausstellte, war der Bus, für den wir Tickets hatten bereits längst gefahren. Dieser Bus würde um 12:00 nach Jodphur fahren. Wir waren sauer, zahlten dann aber nochmals den Fahrtpreis und konnten sogar noch Sitzplätze kaufen. Und dann fuhr der Bus los, nicht 12:00, sondern 11:45. Super Prinzip. Keine Ahnung, warum dann die Abfahrtzeiten zur vollen Stunde angegeben werden. Nun gut. Wir beruhigten uns so groß waren die finanziellen Verluste nun auch nicht. Die Busfahrt war indisch chaotisch. War noch einige Zentimeter Platz im Bus, so wurden noch weitere Mitreisende aufgenommen, bis kein Platz mehr war. Teilweise bekam ich Platzangst. Nach 5 Stunden war alles überstanden. Wir waren endlich in Jodphur.

Auf der Fahrt zu unserer Unterkunft, dem Blue House Hostel, rammte unser Rikschafahrer ein Auto, oder das Auto fuhr die Rikscha an. So richtig kann ich nicht sagen, wer nun Schuld hatte. Was aber auch keine Rolle spielte. Der Schaden wurde kurz begutachtet, ein kleiner Wortwechsel und wir fuhren weiter. So läuft das hier.

Das Hostel ist eine Budget-Unterkunft in der Altstadt von Jodphur. Zentral, in einer Seitengasse gelegen, war es sauber und schön ruhig. Mit Jodphur waren, nach den kleineren Städten der letzten Tage, wieder in einer größeren indischen Stadt angekommen. Entsprechend quirlig ist dies Stadt. Ich empfand dies nun nicht mehr als störend, was zeigt, dass ich allmählich mich an die indischen Verhältnisse gewöhnte. Auf der Dachterrasse gab es das obligatorische Stadt-Begrüßungs-Bier – natürlich Kingfisher! Wir hatten einen herrlichen Blick auf die Festung und den alten Palast von Jodphur. Die Sonne ging unter und von den vielen Moscheen der Altstadt rief der Muezzin zum Gebet. Und aus anderen Ecken der Stadt heulten Sirenen zum Zeichen des Protestes, zumindest war dies unsere Vermutung. Als das Bier ausgetrunken war, schlenderten wir noch einwenig durch die Gassen der Altstadt auf der Suche nach einem annehmbaren Restaurant. Wir fanden ein nettes Dachrestaurant. Ja, so macht das Leben Spaß – eine super Sommernacht, gutes Essen, Bier ... Mist, das meine Reisebegleitung männlich ist. Herr L. dachte dies auch öfters. ;-)

Der nächste Tag gehörte der Festung von Jodphur. Eigentlich das Fort von Mehrangath der Könige von Jodphur. Obwohl meine Probleme mit meinen Füssen immer schlimmer werden, quälte ich mich den Berg zur Festung rauf. Gott, war es schrecklich. Ich konnte nur noch unter Schmerzen laufen, oder besser wie ein alter Mann humpeln. Das Fort wirkt von außen spektakulär, kann dieses Versprechen im Inneren aber leider nicht halten. Wir waren nach dem wir den Stadtpalast in Udaipur gesehen hatten, leicht enttäuscht. Dafür war der Eintritt auch billiger und deren Preis inklusive der Fotoerlaubnis. Die Erklärungen der Audioguidetour waren aber genauso umfangreich wie in Udaipur. Außerdem kann man sich hier über den richtigen Gebrauch von Opium aufklären lassen. Die Inder trinken ein Opiumtee. Gibt es aber nicht in den Restaurants. ;-) Danach wollte Herr L. noch zum Jaswant Thanda – dem Mausoleum für Jaswant Singh II.. Es wird auch als das Taj Mahal von Jodphur bezeichnet. Wir gingen, wobei ich mich eher schleppte dorthin. Nach Herrn L. handelt es sich eher um ein Taj Mahal für Arme. Trotzdem schön. Zurück nahmen wir uns eine Rikscha, darauf hatte ich bestanden. Mehr als drei Meter konnte ich nicht mehr humpeln.

Nach einer kleinen Bierpause, ließen wir uns zum Adidas-Shop der Stadt fahren. Dieser liegt im neueren Stadtteil. Hier vermischt sich das indische Chaos mit westlichem Chick. Alles dicht bei einander. Herr L. kaufte den halben Laden leer. Danach brauchte ich noch Zigaretten. Keine indischen, sondern westliche, was für den Rikschafahrer eine echtes Problem darstellte. Wir mussten drei Läden anfahren, bis ich endlich eine ganze Schachtel kaufen konnte. Bei den anderen hätte ich nur einzelne Zigaretten bekommen können. Eine ganze Schachtel wollte mir niemand verkaufen. Das verstand ich nicht.

09.10. bis 11.10 Delhi

Für den Weg nach Delhi hatten wir ab Jodphur einen Flug gebucht. Dieser sollte am frühen Nachmittag (14:00) starten. Wir konnten schön ausschlafen, gemütlich frühstücken und dann zum Flughafen fahren. Nach dem wir den Inlandsflughafen von Bombay gesehen hatten, waren wir der Meinung, dass auch auf dem Jodphur ein ähnlicher Standard herrschen würde. Der Sohn des Hostel-Besitzers erklärte uns zwar, dass es nicht so wäre, aber wir hörten nicht auf ihn. Dort angekommen, mussten wir leider feststellen, dass er nicht gelogen hatte. Es gab nichts, außer Cola und Wasser. Dabei wollten wir doch gemütlich abhängen und Bier trinken. So blieb nur abhängen. Dann hatte auch noch der Flieger eine geschlagene Stunde Verspätung. Wobei Verspätung nicht richtig war, weil der Flieger schon auf dem Flughafen war, wir aber nicht einsteigen durften. Ich vermute es hängt damit zusammen, dass am selben Tag ein Flugzeug in Delhi notgelandet ist. 15:00 ging es endlich los. Der Flug war etwas unruhig. Solche Flüge liebe ich sehr. Da merkt man wenigstens, dass man fliegt. Bei den „Luftlöchern“. Herr L. fand das ganze wohl nicht so gut.

In Delhi angekommen nahmen wir uns ein so genanntes Prepaid-Taxi. Wirklich praktische Einrichtung. Keine Verhandlung über den Fahrpreis. Am Schalter holt man das Ticket für das Taxi und dann wir einem ein Taxi zugewiesen. Ein netter Mann aus Flieger, gab uns noch den Hinweis, dass Ticket erst dem Taxifahrer zu geben, wenn wir auch wirklich am Hotel angekommen sind. Was wir auch taten. Der junge Taxi fahren wollte uns wohl damit beeindrucken, wie schnell er vom Flughafen zum Hotel fahren konnte. Jedenfalls raste er mit 80 oder 90 km/h durch die Stadt und war nach 25 Minuten am Hotel. Glücklicherweise funktionierte nicht nur die Hupe des Taxis, sondern auch die Bremsen.

Wir hatten uns für Delhi das YMCA Tourist Hostel ausgesucht. Es liegt in New Delhi in der Nähe des Connaught Place und war noch bezahlbar. Die Hotels im Travellerviertel wollten wir meiden. Laut Reiseführer besitzen die meisten 24-Stunden-Restaurants in den oft Partystimmung herrscht, und wir ältere Herren sind, die ihren ruhigen Schlaf benötigen – zumindest Herr L. Dummerweise haben wir uns keine Gedanken über die Bedeutung der Abkürzung YMCA gemacht. Wie sich herausstellte wählten wir ein christliches Hostel. Egal. Es gab zwar kein Bier und das Hostel war etwas in die Tage gekommen, aber für die letzten beiden Nächte würde es reichen.

Auf der Suche nach einem Bier gingen wir zum Connaught Place. Das Viertel ist eine Mischung zwischen heruntergekommen Gebäuden aus der Kolonialzeit und moderner Architektur. Ich würde ihn als so was wie den Potsdamer Platz von Dehli bezeichnen. Nur auf indisch halt. Nach einer kleinen Runde durch das Viertel fanden wir eine nette Bar, das Blues.

Super, hier gab es alles was unser Herz begehrte – richtiges Bier, sogar ordentlichen Whiskey und Rockmusik. Den indischen Bollywood-Pop konnten wir langsam nicht mehr ertragen. Wir hatten viel Spaß. Wie wir bereits in Diu erleben konnten, ist es für die Inder wichtig, schnell betrunken zu werden. Also kippen sie sich das Bier in den Hals, als würden sie Wasser in der Wüste trinken. Und dann fangen sie an zu rocken. Obwohl das nicht ganz richtig ist, weil sie dabei auf ihren Stühlen sitzenbleiben, reißen die Arme in die Luft und fangen mit wildem Headbanging an. Okay, was sollen sie auch machen, wenn es im ganzen Laden keine Tanzfläche gibt. Alles in Allem herrscht so was wie Narrenfreiheit. Selbst, wenn jemand mit dem Kopf auf den Tisch schlägt, dabei sein Bier umschüttet, weil er schon mächtig besoffen ist, wird er nicht höfflich aus dem Lokal befördert. Im Gegenteil, das Bier wird aufgewischt und die nächsten auf den Tisch gestellt. An diesem Abend erhielten wir die größte Rechnung während der gesamten Reise und waren nicht mal annährend so betrunken, wie die restlichen Inder im Laden.

Das Programm für unseren letzten Tag in Indien war einfach. Wir schauten uns das Parlaments- und Regierungsviertel in New Delhi an – vor allem die Prachtstraße Rajpath mit dem India Gate an. Super englische Kolonialarchitektur gepaart mit indischen Einflüssen. Leider sind die Parks rechts und links von der Rajpath etwas verwahrlost und die gigantischen Springbrunnenanlagen nicht im Betrieb. Danach mussten noch die restlichen Mitbringsel gekauft werden. Abends ging es dann wieder ins Blues. Die Bedienung begrüßte uns bereits mit Handschlag, so, als wären wir Stammgäste. An diesem Abend ging es in der Bar noch mehr ab. Unsere Rechnung hielt sich in Grenzen, weil am nächsten Tag der zeitige Rückflug nach Deutschland ging.

PS: Gestern hatte ich den Kulturschock in die andere Richtung. Aber nicht lange, kaum rauchte ich vor dem Leipziger Bahnhof eine Zigarette, da wurde ich auch gleich von zwei Bettlern angeschnorrt. ;-)
Zu finden unter: Weltenbummelei

Montag, 6. Oktober 2008

Indien - Part 3

1.10. bis 4.10. Ranakpur
Wir sind also von Udaipur mit dem Taxi nach Ranakpur gefahren. Aus meiner Sicht das sich diese Investition gelohnt, weil wir nur gut 2 Stunden benötigten, um unser Ziel zu erreichen. Im Reiseführer hatten wir uns eine Unterkunft im Budget-Bereich gesucht. Als wir im Hotel ankamen, mussten wir feststellen, dass uns der Luxus der letzten Tage versaut hatte. Die Anlage machte einen mächtig heruntergekommenen Eindruck. Das Beste waren die angekündigten Aircool. Sie bestanden aus einem Ventilator, an dem von außen über Schliff Wasser lang floss. Mächtig laut und nicht wirklich kühl. Auch für Herrn L. war diese Unterkunft nicht annehmbar. Also begaben wir uns nach einem kleinen Schläfchen auf dem Weg, um einen neuen Schlafplatz zu finden. Nun, ist Ranakpur nicht groß, was die Auswahl mehr als einschränkte. Aber wir fanden etwas, das Ranakpur Hill Resort. Wirklich schöne Anlage, mit allem, was unser Herz begehrte: Pool, saubere Zimmer und gute Küche.

Am zweiten Tag liehen wir uns von einem Kellner seine Honda Hero. Herr L. machte meinen persönlichen Fahrer. Auf dem Weg zur Festung Kumblagarh fuhren wir durch eine echte märchenhafte Landschaft. Kleine Dörfer und dann wieder Berge. Für die Menschen dort waren wir eine echte Seltenheit - zwei Weiße auf einem indischen Motorrad. Die Festung selbst ist die größte in Rajasthan, umgeben von einer Mauer, die an die in China erinnert. Sie umschließt zusätzlich noch mehrere Tempel, von denen die ältesten aus dem 2. Jhd. stammen. Riesen Anlage, aber leider von den Ausländern total vernachlässigt.

Der dritte Tag, hatte es mächtig in sich. Wir hatten eine Trekkingtour durch den Dschungel im Naturschutzgebiet gebucht. Eigentlich eine Widerspruch in sich selbst, aber gut. Herr L. hatte die richtigen Schuhe mit, ich nicht. Und, wenn ich hier Dschungel schreibe, so meine ich das auch so. Wir sind durch eine wilde Landschaft zum einem Shiva-Tempel bei gefühlten 35 - 45 Grad gewandert. Oben angekommen, konnte ich zum ersten Mal in meinem Leben, ein T-Shirt auswringen, welches vollkommen durchgeschwitzt war. Wenn dies alles gewesen wäre, dann würde ich darum nicht so viel Aufriss machen, aber es kam noch schlimmer. Ich hatte, wie bereits erwähnt nicht die richtigen Schuhe an - und auch nicht mit; wer rechnet schon damit in Indien Berge hoch zulaufen. Als ich am Tempel meine Schuhe auszog, dass muss man hier so machen, stellte ich fest, dass beide Füße, mit einer handvoll Blasen gezeichnet waren. Insgesamt waren es 8, oder 9, oder 10. Konnte sie nicht alle zählen. An den Rückweg zu Fuß, war für mich nicht zu denken. Ein Anruf im Hotel und sie schickten ihren Jeep vorbei. Herr L. und unser Guide sind dann alleine weiter und ich durfte die längste halbe Stunde meines Lebens warten, wobei mir alle möglichen Horrorszenarien durch den Kopf schossen. Aber der Jeep kam, alles war gut und ich genoss das anschließende Bier am Pool. Herr L. war übrigens ca. 2 Stunden später da, wobei er unseren Guide richtig schaffte. Sie haben den Rückweg in 1 1/2 Stunden bewältigt, was der Guide allen erzählte und die Einheimischen damit in Erstaunen versetzte.

Am vierten Tag machten wir dass, weswegen wir eigentlich nach Ranakpur gefahren sind - wir besichtigten den größten und wichtigsten Jaintempel Indiens. Nach gut 2 Stunden hatten wir aber genug Tempel gesehen. Also wieder an den Pool, wo wir auch schon am Vormittag gelegen hatten. Was anderes kann man bei den Temperaturen nicht machen. :-)

5. 10. bis 6.10. Jaisalmer
Weiterreise. Wieder mit dem Auto, da die Zeit langsam knapp wird. Nach gut 7 Stunden erreichten wir die Wüstenstadt Jaisalmer, kurz vor der pakistanischen Grenze. Der immer wieder schwellenden Konflikt zwischen beiden Ländern ist hier zum greifen nahe. Die letzten ca. 150 km vor Jaisalmer gehört die Steppe oder Wüste dem Militär. Bereits während der Autofahrt wird es heißer und heißer. Bei einer kurzen Pause, dachte ich nur: die Hitze ist ja fast unerträglich. In der Stadt nahmen wir uns wieder eine kleines, fürstliches - im wahrsten Sinne des Wortes - Haveli. In der Nacht schaffte es die Klimaanlage allerdings nicht, den Raum auf für mich annehmbare Temperaturen herunterzukühlen. Also beschlossen wir heute Vormittag, die geplante Wüstentour zu streichen und morgen nach Jodphur weiterzufahren. Bevor wir das Wüstenfort besichtigen konnten, brauchten wir unbedingt noch neues Bargeld. Grosse Herausforderung in einer Stadt, in der die ATM`s alle nicht funktionieren. Den einzigen Automaten, welchen wir fanden, war von der Bank of India. Allerdings gerade auch nicht in Betrieb, weil er neu mit Geldscheinen bestückt wurde. Wir warteten geschlagen 1 1/2 Stunden, bis wir endlich Bares holen konnten. Das Fort selbst ist sehr schön, viele kleine alte Havelis. Herr L. konnte es natürlich nicht lassen, in einer der Unterkünfte sich nach den Preis der Zimmer zu erkundigen, um mir später vorzuhalten, dass wir einiges an Geld hätten sparen können. Also, wer mal nach Jaisalmer fahren sollte, immer die Unterkünfte im Fort nehmen, und nicht die in der Stadt selbst.

Das Beste zum Schluss. Während der letzten Tage war es nicht mehr möglich ein trinkbares Bier zu erhalten. "Only Kingfisher", war immer die Antwort der Kellner. Hier fanden wir einen Laden, welcher wenigstens Forsters - jeder Deutsche würde jetzt sagen, ist doch auch kein Bier, aber für uns hier trinkbar - verkaufte. Also zwei Büchsen für stolze 320 RS geholt und ab in den Hof unseres Havelis. Da wir nicht genug bekamen, ließen wir uns von einem Hotelangestellten, noch vier holen. Jetzt der Hammer: Der Inder zahlte für nur 230 Rs. Scheiße, selbst beim Bier muss der Ausländer hier feilschen... ;-)
Zu finden unter:

Dienstag, 30. September 2008

Indien - Part 2

28.09. bis 30.09. Udaipur
Dass wir uns fürstlich eingemietet haben, berichtete ich schon. Da meine Dekadenz keine Grenzen kennt, muss Herr L. nun für mich mitbluteten. Hier ein Foto von dem Haveli in dem wir derzeit wohnen.

Udaipur-Hotel-Amet-Haveli

Aus dem Gartenrestaurant können wir über den Lake Pichola auf den Stadtpalast der Könige von Mewa, sowie auf ihren Sommerpalast, jetzt eines der besten Hotels der Welt und Kennern von 007 bekannt, blicken. Natürlich muss hier im Restaurant für diese Aussicht extra gelöhnt werden. Bereits die Bierpreise betragen ein Dreifaches von dem, was wir bis jetzt gewöhnt waren. Alles in allem haben wir hier das volle Touri-Programm. Lassen uns von Einigen mächtig über die Ohren hauen und haben noch Spaß dabei. Am ersten Abend ließen wir uns zu einem Aussichtspunkt schleppen, wo dem wir den Sonnenuntergang beobachten konnten. Ganz großer Nepp!

Am nächsten Tag suchten wir als erstes die deutsche Bäckerei Edelweiss auf, ja, die gibt es hier wirklich. Leckerer Kuchen und endlich mal wieder richtiger Kaffee. Danach durch die engen Gassen zum Jagdisch-Tempel. Wir wohnten einer bezaubernden Prozession bei. Die Gläubigen steigerten ihre fröhlichen Gesänge bis das schwarze Abbild von Jagannath hinter einem Vorhang zum Vorschein kam. Anschließend große Jubelrufe im Tempel und weitere Gesänge. Dann trat der Priester auf. Eine echte Popshow. Weil die Gläubigen für seinen Geschmack zu Beginn etwas zu leise waren, forderte er sie nachhaltig auf, die Herren lauter und noch fröhlicher zu preisen. Was sie auch taten. Dazu gab es ein Dauerläuten der Glocke. Die Gläubigen hatten alle kleine Süßigkeiten mit, welche sie sich anschließend segnen ließen. Diese sollen als Nahrung für den Weg in den Himmel dienen. Es wurde noch mächtig viel heiliges Wasser verspritzt, Reis geworfen und süßer Reis aus einer großen Schüssel verteilt. Da wir vom Touri-Programm nicht genug hatten, besichtigten wir noch den Stadtpalast der Könige von Mewa. Traumhaft! Ehrlich wirklich sehr schön. Ein Bauwerk aus 6 Jahrhunderten, welches immer wieder für überraschende Eindrücke sorgt. Genau in dem Augenblick, als man es nicht erwartet, traten wir aus der Tür und standen in einem wunderschönen Garten auf dem Dach des Palastes. Wir haben uns natürlich nicht so wie die anderen Tourist in ihren Reisegruppen stressen lassen und nutzten den Audioguide. Bestes Deutsch und mit vielen umfangreichen, aber leider irgendwann nicht mehr fassbaren Informationen. Nach gut drei Stunden setzte das touristische k.o. ein. Die absolute Reizüberflutung!

Deswegen heute morgen noch einen Schritt langsamer als sonst. Nach dem nun fast schon obligatorischen Frühstück im Edelweiss, ließen wir uns von den Händlern schröpfen. Herr L. hat sich zusätzlich noch zwei Hemden im Indien-Stil anfertigen lassen. Wer es braucht ... Danach musste noch die morgige Weiterreise organisiert werden. Eigentlich sollten auch private Busse nach Ranakpur fahren. Komischerweise fahren die nicht, und in den Reisebüros bekommen wir immer nur Taxis angeboten. Wir sind dann noch zum staatlichen Busbahnhof gefahren. Die Busse fahren ganz normal. Mir verging es aber bereist wieder. Mit diesen Bussen zu reisen, ist für mich doch eine leichte Zumutung. Nicht nur, dass sie alt, dreckig, zerbeult sind, sind sie oft überfüllt. Der Mann vom Counter uns empfahl mindestens eine halbe Stunde früher da zu sein, damit wir noch einen Sitzplatz bekommen, weil es keine Sitzplatzreservierung möglich ist. Und dies soll ich mir wirklich zumuten, nach dem ganzen Luxus der letzten Tage? Nein! Also bin ich leichten Herzens bereit, Herrn L. eine Taxifahrt zu spendieren. Wir begaben uns zum empfohlenen Taxifahrer, welcher in einem leicht heruntergekommen Hotel zu finden war. Preisverhandlung sinnlos. Wenn wir Glück haben, fahren morgen noch weitere mit dem Auto mit, dann wird es günstiger. Auf der Dachterrasse nahmen wir dann noch ein, zwei Biere. Diese befindet sich noch in so einem Zustand, wie ihn die letzten echten Hippies hinterlassen haben. Herr L. und ich fläzten uns auf der Liege und plötzlich kam dem Herrn L. die Idee nach einer Wasserpfeife zu fragen. Selbstverständlich war diese auch vorhanden. Da ich aber den Herrn L. kenne, und mir bewusst war, dass dieser anfing sich heute sinnlos die Birne wegzublasen, verhinderte ich mal schnell, dass die Wasserpfeife auch zum Einsatz kam. Ich weiß, wo das enden würde. Wir trafen hier noch einen Kolumbianer, der seit 6 Jahren in Berlin lebt. War witzig. Jetzt ist Herr L. auf dem Weg zum Schneider, seine Hemden abholen. Bin mal gespannt, ob ich ihn heute noch sehen werde - nach ca. 5 Bier bei Temperaturen, die selbst den Indern heute zu viel waren. Wir haben noch vor, uns das heute beginnende 9-tägiges Fest anzuschauen. Soll viel Gesang und Tänze geben.

1. Anmerkung: Brauchst du in Udaipur Drogen, steig in eine Rikscha. Spätestens nach einer Minute fragt der Fahrer dich, was und wie viel du haben willst.
2. Anmerkung: Es gibt hier fast nur zwei Arten von Ausländern: die reichen Touris, die immer in Begleitung von Heerscharen indischen Reiseführern sind, und die Touris; die den Hippie- oder Indienstil pflegen. Keine Ahnung, was wir sind. Hab mir heute erstmal eine weitere Kette gekauft. :-)

PS: Erste Bilder unter Indien bei den Fotoalben.
Zu finden unter: Weltenbummelei

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